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ich bin Frederik Hocke und das ist die neunte Ausgabe von KurzschlussFieldnotes. 

Mit KurzschlussFieldnotes wollen wir helfen, den Klimawandel besser zu verstehen. Wir beleuchten die Hintergründe der Schlagzeilen und machen die Klimakrise anhand konkreter Geschichten und Menschen greifbar.

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Nach meinem etwas verfrorenen Wochenendtrip in eine historische tschechische Mühle kann ich mir fast nicht vorstellen, dass hier vor einem Monat noch ein Rekordsommer gewütet hat. Ich habe mich deshalb gefragt, ob Klimathemen leider nur eine Saison in der Aufmerksamkeitsökonomie kennen.  Deshalb will ich die Klimajournalismus-Saison verlängern: Und zwar mit einem Text über unterschiedliche Strategien im Kampf gegen die Klimakrise.

🧩 KLIMASTRATEGIEN

Resignieren oder Reinhackeln (oder beides?)

Road sign for curved road ahead. 
Storytelling: Could also be used when things are / were not realized in a direct way.

Ich habe ein guilty pleasure: Ich schaue gelegentlich noch auf Twitter vorbei (und nein, ich nenne es aus nostalgischen Gründen immer noch nicht “X”). In den letzten Wochen war das eher schwere Kost, vor allem wenn man sich Kommentare unter Klima-Posts gegeben hat. Neben konsequenter Leugnung des menschengemachten Klimawandels und dem Zweifeln an wissenschaftlichen Erkenntnissen und fachlicher Expertise hat sich aber auch folgende Denkweise breit gemacht: Wir hätten den Kampf gegen den Klimawandel bereits verloren und müssten uns jetzt nur auf die Anpassung auf die “neue” Situation fokussieren. Weil der Treibhausgasausstoß von so kleinen Ländern wie Österreich eh nichts zur Sache tue. Also, warum nicht einfach unser Leben an die “neue” Realität anpassen, und dann so weitermachen wie bisher? Hitzesommer, wie beispielsweise der diesjährige in Europa, lassen keinen Zweifel mehr: Klimawandelanpassung ist heute das bare minimum.

Bei der Denkweise, Anpassungsmaßnahmen würden unsere Probleme schon richten, gibt es allerdings einen Haken: die Grenzen des Möglichen.

Die Grenzen der Anpassung

Bei den Grenzen der Anpassung wird zwischen zwei Arten unterschieden: weiche Grenzen, die durch das Fehlen von Ressourcen entstehen. Also Bspw. fehlende Finanzierung für den Bau von Dämmen, oder politische Uneinigkeit über Maßnahmen. Weiche Grenzen sind theoretisch überwindbar, zumindest wenn der politische Wille grundsätzlich da ist. Kleine Sidenote an der Stelle: 89% der Weltbevölkerung sprechen sich für Klimaschutz und -maßnahmen aus.
Harte Grenzen gelten als technisch nicht überwindbar.  Dazu zählen etwa das Abschmelzen von Gletschern und der damit einhergehende Wassermangel oder auch der Anstieg der Meeresspiegel. Daran können wir uns nicht einfach anpassen, es braucht tiefgreifende Lösungen.

Und, wie sollte es anders sein, sind Länder und Communities im Globalen Süden bereits jetzt schon stärker von diesen Grenzen und dem Klimawandel generell betroffen. Aber auch in Österreich stehen wir vor großen Problemen: z.B. der Ausbau von Hochwasserschutz. Ein Problem das verschärft wird, je öfter ein “Jahrhunderthochwasser” stattfindet. In Österreich gab es drei davon, in den letzten 20 Jahren (2002, 2013, 2024).

Anpassung ohne Einsparung geht nicht 

Durch die Erderhitzung und das Überschreiten von klimatologischen Kipppunkten, wie beispielsweise das Abschmelzen von Polkappen oder das Auftauen des borealen Permafrosts werden Prozesse angestoßen, die wir nicht mehr aufhalten können. Und an die wir uns nicht schnell genug anpassen können. Generell: desto heißer die Erde wird, desto ineffektiver und teurer werden Anpassungsmaßnahmen

Also, wie lässt sich dieses Problem lösen? Bereits das Pariser Abkommen von 2015  macht klar:  die Reduktion von Emissionen ist genau so wichtig  wie Anpassungsmaßnahmen. Und da liegt der springende Punkt. Die beiden Hauptstrategien gegen die Erderhitzung gehen nur Hand in Hand. Weil irgendwann sind die Anpassungsgrenzen erreicht, aber die globalen Temperaturen steigen trotzdem weiter, wenn wir nicht auch unsere Emissionen reduzieren. 

Die Lösung, die viele nicht hören wollen 

Bei der Emissionsreduktion sind natürlich alle gefragt. Die Argumentation, der CO2-Ausstoß eines kleinen Landes wie Österreich falle doch eh nichts in Gewicht funktioniert nicht mehr. Der Klimaforscher Marc Olefs von GeoSphere hat kürzlich in der Krone vorgerechnet: alle Länder, deren CO2-Ausstoß global gesehen unter 2% liegt, sind zusammengerechnet für 40% des globalen Ausstoßes verantwortlich. Also, worauf warten wir?
Die Lösung liegt auf der Hand. Wir müssen aufhören, uns auf fossile Energien zu verlassen und diesen endlichen Rohstoff, über den sogar Kriege geführt werden, stattdessen im Boden lassen. Das ist zwar wahrscheinlich nicht die einfache Antwort, nach der Leute auf Twitter suchen. Aber das Schöne daran: sie funktioniert wirklich. 

🐰 Rabbithole

Das Thema der Klimawandelanpassung ist natürlich viel komplexer und umfangreicher als mein kurzer Text dazu. Deshalb: Viel Spaß im Rabbithole!

Was ist alles Klimaanpassung?

Um einen Überblick zu bekommen, welche konkreten Maßnahmen alle Anpassungsmaßnahmen sein können, hilft dieses Dashboard des UN Development Programme

Adaption-Game

Wie gut könntest du deine Stadt an neue klimatische Bedingungen und Extremwetter anpassen? Als Klimawandel-Anpasserin kannst du das im Onlinespiel testen.

Anpassung in Österreich

Welche verschiedenen Projekte für Klimawandelanpassung gibt es in Österreich? Dieser Katalog bietet einen kompakten Überblick und zeigt auf, wie vielfältig die Maßnahmen sein können.

Titel Link 4

Umfangreicher vertiefender multimedia-Artikel über weltweite Anpassungsstrategien von den Kolleginnen von Carbonbrief.

🎙️ Flurfunk

Notizen aus der Redaktion

Hinter den Kulissen arbeiten wir fleißig an drei Podcastprojekten. Staffel 2 vom FWF-Podcast “Was Wir Wissen” startet am 16.9. und im Oktober werden neue Folgen “Overshoot Podcast” vom IIASA released. Außerdem haben wir unseren ersten eigenen Video-Podcast produziert - erste Sneak-Peeks gibt es bald auf Insta. Also folgt uns, um nichts zu verpassen!

Das war es für heute mal wieder von mir. Ich hoffe ich konnte durch diese Fieldnote etwas mehr Licht in den Anpassungsdschungel bringen.

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Wir lesen uns im kommenden Monat, bis dahin nur das Beste!

Frederik Hocke