Hi {{Vorname | Du}}!

ich bin Alexandra Polič, Klimajournalistin und Teil der erweiterten KurzschlussRedaktion. Das ist die siebte Ausgabe von KurzschlussFieldnotes – und gleichzeitig mein Debüt. Heute geht's um Trockenheit..

Mit KurzschlussFieldnotes wollen wir helfen, den Klimawandel besser zu verstehen. Wir beleuchten die Hintergründe der Schlagzeilen und machen die Klimakrise anhand konkreter Geschichten und Menschen greifbar.

EMPFEHLUNG:
Nicht nur um Klimathemen, aber auch um Einordnung geht es bei unseren Kolleginnen von ganzgraz. Bei ihnen bekommt ihr jeden Morgen die wichtigsten News der Stadt per Mail. Schaut euch das gern mal an! Und kleiner Disclaimer: Dienstags bekommt ihr dort auch immer wieder Newsletter von mir.

Wurde dir dieser Newsletter weitergeleitet? Dann kannst du ihn hier abonnieren.

Ich melde mich aus meinem Heimatort in der Südsteiermark, wo es gestern endlich geregnet hat. Trotzdem war mein Waldspaziergang danach ernüchternd: Überall habe ich vertrocknete Bäume und Pflanzen entdeckt. Für sie kam der Regen zu spät. Dass ein einzelner Regenguss sie gerettet hätte, ist aber sowieso unwahrscheinlich. Und genau darum geht’s heute.

🧩 TROCKENHEIT

Dem Wasserland geht das Wasser aus

Österreich und Wassermangel, das klingt erstmal wie die Sahara und Schneeräumdienst. In jeder Tourismus-Werbung für unser Land sind vor allem Seen, Flüsse und Gletscher zu sehen. Wasser ist quasi Teil der nationalen Identität. 

Und trotzdem hat heuer im Juni eine niederösterreichische Gemeinde nachts das Wasser abgedreht. In Wien wurde darum gebeten, aufs Autowaschen und Poolbefüllen zu verzichten. Und in manche Orte der Steiermark bringt mittlerweile die Feuerwehr das Trinkwasser. 

Wie es so weit kommen konnte? Der Reihe nach: 

Hinter uns liegt der trockenste meteorologische Frühling seit Beginn der Messungen. Und die laufen immerhin seit 1858, das ist also keine kleine Stichprobe. In manchen Regionen fiel zwischen März und Mai bis zu 80 Prozent weniger Regen als im langjährigen Durchschnitt. Das allein wäre schon eine ziemlich schlechte Nachricht. Die noch beunruhigendere Geschichte spielt sich aber dort ab, wo wir sie nicht sehen: unter unseren Füßen.

Ein Blick in den Vorratskeller der Natur

Unser gesamtes Trinkwasser in Österreich stammt aus Brunnen und Quellen, also aus dem Grundwasser. Das entsteht, wenn Regen und Schmelzwasser gemütlich durch die Bodenschichten sickern, und “gemütlich” ist hier wörtlich zu nehmen: Der Weg nach unten dauert Wochen, manchmal Jahre. Tief unten sammelt sich das Wasser in einer Art Regentonne, von der wir das ganze Jahr über schöpfen.

Diese Regentonne wird traditionell im Winter befüllt. Ich könnte hier einen Witz über Weihnachtsgeschenke reißen, bleibe aber sachlich. Denn natürlich gibt es eine wissenschaftliche Erklärung: Schnee bleibt wochenlang liegen, schmilzt langsam vor sich hin und versickert dabei schön gleichmäßig. Bessere Bedingungen kann sich das Grundwasser gar nicht wünschen. 

Genau diese Bedingungen verändert der Klimawandel aber gerade komplett. Das haben wir uns mit unserem CO2-Ausstoß übrigens selbst eingebrockt. 

Und falls ihr euch vorhin gefragt habt, von welchem Schnee ich da denn schreibe, habt ihr das Problem bereits erkannt. Die Winter werden wärmer, es fällt weniger Schnee, gleichzeitig verdunstet mehr Wasser. Je wärmer die Luft ist, desto mehr Wasser kann sie nämlich aufnehmen. Das gilt auch für den Winter. Dazu kommt, dass Extremwetter immer stärker – also noch extremer – wird: Trockenphasen ziehen sich, und wenn es dann doch regnet, gießt es kurz wie aus Eimern. Dass es tagelang vor sich hin tröpfelt, sehen wir kaum noch.

Und hier wird es richtig gemein. Heftiger Regen hilft dem Grundwasser nämlich kaum noch. Ausgetrocknete, harte Böden nehmen Wasser ungefähr so gut auf wie eine Terrassenplatte – Stichwort: Versiegelung. Bei Starkregen rinnt das Meiste einfach oberflächlich ab, der Rest verdunstet. Oben wird es kurz grün, unten kommt fast nichts an. Damit die Grundwasserreserven wirklich etwas davon hätten, müsste es sehr lange durchregnen. Wie schnell die wieder aufgefüllt sind, hängt von Regenmenge, Bodenfeuchte und Temperatur ab. Ein Blick nach draußen verrät: Das wird schwierig. So sinken in vielen Regionen die Grundwasserstände munter weiter, Regenschauer hin oder her.

Und dann brennt auch noch der Wald

Die Trockenheit hat noch eine Nebenwirkung, die wir bisher eher mit Griechenland oder Portugal verbunden haben: Waldbrände. Über 260 waren es heuer österreichweit schon, mehr als sonst in einem ganzen Jahr, allein die Steiermark kommt auf rund 70. 

Wo es nämlich wochenlang nicht regnet, trocknet nicht nur der Boden aus, sondern auch alles, was auf ihm liegt, also Laub, Blätter, Nadeln und Gras. Der Wald wird zum Benzinkanister, ein Funke genügt. Und dieser Funke kommt fast immer von uns, rund 85 Prozent der Waldbrände in Österreich lösen Menschen aus. 

Weniger Grundwasser, mehr Bedarf

Langfristig wird die Rechnung leider nicht besser. Unser Wasserbedarf steigt bis 2050 um bis zu 15 Prozent, während die Grundwasserreserven um fast ein Viertel schrumpfen könnten. Das hat eine Studie des Landwirtschaftsministeriums (BMLUK) ergeben.

Ganz ausgeliefert sind wir dem aber nicht. Renaturierung zum Beispiel kann da viel bewirken. Wo Flüsse wieder Platz bekommen, bekommt das Wasser wieder Zeit. Nämlich Zeit, zu versickern, statt einfach davonzurinnen. Genau solche strukturellen Hebel brauchen wir jetzt. Denn der nächste warme Winter und der nächste Rekord-Frühling kommen bestimmt.

🐰 Rabbithole

Wer jetzt tiefer graben will (pun intended): Hier gibt's Hintergründe zu Regen, Grundwasser und Waldbränden. Viel Spaß beim Versickern!

Das Klimaportal der GeoSphere

Die GeoSphere Austria bündelt in ihrem Klimaportal alles, was das Datenherz begehrt: aktuelle Klimakarten, Monitoring, Monatsbilanzen und Analysen, darunter auch die Auswertung zum trockensten Frühling der Messgeschichte. Wer verstehen will, wie außergewöhnlich dieses Jahr ist, startet am besten hier.

Grundwasser-Karte für Österreich

Wie steht's ums Grundwasser vor eurer Haustür? Auf der interaktiven eHYD-Karte des Bundes könnt ihr die aktuellen Grundwasserstände aller Messstellen in Österreich anschauen. Spoiler: Im Juni hatten rund 80 Prozent der Messstellen weniger Wasser als im Schnitt der Vorjahre. Zum Durchklicken und Staunen (oder Verzweifeln).

Prähistorische Waldbranddatenbank

Die wunderschöne WordArt-Headline dieser Datenbank hat mich kurz zurück in meinen ersten Volksschul-Computerkurs der 2000er-Jahre versetzt. Trotz prähistorischer Optik dokumentiert die BOKU Wien hier nach neuestem Stand der Technik sämtliche Waldbrände in Österreich. Ein faszinierendes (und ernüchterndes) Datenprojekt.

Circle of Life: Der Wasseratlas

Wie wird aus Regen eigentlich Trinkwasser? Der Wasseratlas der Heinrich-Böll-Stiftung erklärt mit einfachen Infografiken den Weg des Wassers durch Boden, Grundwasser und Wasserhahn – und warum diese Lebensgrundlage weltweit unter Druck gerät.

🎙️ Flurfunk

Notizen aus der Redaktion

Dieses Mal gibt's tatsächlich was zu erzählen: Ich habe zur Trockenheit nicht nur diesen Newsletter geschrieben, sondern auch eine dreiteilige Reel-Serie produziert – inklusive Dreh auf steirischen Äckern. Schaut vorbei und teilt die Reels gerne.

Das war’s fürs Erste auch schon von mir! Meine Message nochmal kurz zusammengefasst: Geht sparsam mit Wasser um, wenn die Lage angespannt ist. Macht keine Lagerfeuer im Wald. Schmeißt eure Zigaretten nicht auf den (trockenen) Boden. Und wenn ihr einen Brand seht, ruft sofort 122.

Wir freuen uns immer über Feedback! Dafür könnt ihr einfach auf diese Email antworten. Und noch ein kleiner Disclaimer zum Schluss: Männer sind beim generischen Femininum natürlich mitgemeint.

Wenn ihr beim Lesen dieser Mail an Freundinnen/Bekannte/Kolleginnen denken musstet, denen dieser Newsletter auch gefallen würde: Hier könnt ihr den Newsletter weiterempfehlen!

Du bist neu dabei? Hier gehts zum Archiv unserer letzten Ausgaben!

Ich wünsche euch einen schönen Sommer mit möglichst wenig Extremwetter ☀️ 

Bis zum nächsten Mal, Alexandra Polič