
Hi {{Vorname | Du}}!
ich bin Frederik Hocke, das ist die sechste Ausgabe von KurzschlussFieldnotes. Ich melde mich stark schwitzend aus dem unklimatisierten Homeoffice. Um die Ursache dafür soll es heute gehen: Hitze.
Was dich heute erwartet:
Mit KurzschlussFieldnotes wollen wir helfen, den Klimawandel besser zu verstehen. Wir beleuchten die Hintergründe der Schlagzeilen und machen die Klimakrise anhand konkreter Geschichten und Menschen greifbar.
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Als Wahlwiener hab ich mich nach mittlerweile 12 Jahren (bis auf den Akzent) ganz gut angepasst, insbesondere beim Hitze-Sudern bin ich extrem gut. Aktuell gibt es mehr Anlass dazu denn je: Denn once again wütet eine der brutalsten Hitzewellen ever in ganz Europa.
🧩 HITZE
Was war das denn bitte?!
Ich glaube, ich brauch nicht um den heißen Brei herumschreiben, aber was wir in Europa die letzten Tage an Hitze (üb)erlebt haben, ist absolut abnormal.
Die aktuelle Hitzewelle, die gerade leicht abklingt, sorgt in ganz Europa für gebrochene Temperaturrekorde. Tagsüber, Nachts, Rekorde für den Juni und sogar Allzeit-Hitzerekorde, die selbst Meteorologinnen beinahe sprachlos machen.
Die schlimmste Naturkatastrophe
Dass ich so gerne über Hitze und Hitzewellen grantl ist kein Zufall, denn Hitze macht uns aggressiv. Und das ist nur eine der vielen gesundheitlichen Gefahren von Hitze. Ich bin 31 Jahre jung, gesund und sportlich. Wenn mich eine Hitzewelle bereits so aus den Socken haut, muss man sich mal vorstellen, wie es Menschen mit Vorerkrankungen, Menschen, die bestimmte Medikamente einnehmen, Alten oder Säuglingen aktuell gehen muss. In Wohnungen, die sich nicht mehr unter 30 Grad abkühlen lassen. Oder im Altbau, an dem beispielsweise aus Gründen eines ästhetischen Stadtbilds keine Klimaanlagen angebracht werden dürfen. Es ist einfach absurd, dass Menschen in ihren eigenen vier Wänden im Sommer gesundheitlich gefährdet sind, und das weniger Relevanz hat als ein Stadtbild oder die Zustimmung anderer Immobilienbesitzerinnen im Haus.
Ich bin ja der Meinung, man muss Hitze und vor allem lang anhaltende Hitzewellen im Sommer als das Bezeichnen, was sie wirklich sind: Naturkatastrophen, und zwar die Tödlichsten. Ein Beispiel: Die Hitzewellen vom Sommer 2024 sind in Europa alleine für mehr als 60.000 hitzebezogene Todesfälle verantwortlich. Das sind mehr Menschen als in St. Pölten leben. Das muss man sich wirklich mal auf der Zunge zergehen lassen.
Wir sind selbst Ursache für längere und stärkere Hitzewellen.
Obwohl ich mir sicher bin, dass ihr wisst, was solche Hitzewellen auslöst, sag ich es jetzt noch mal ganz plakativ: Der menschengemachte Klimawandel. Unser übermäßiger CO2-Ausstoß hat Hitzewellen in den letzten 20 Jahren signifikant wahrscheinlicher, aber auch signifikant intensiver gemacht. Weiter noch sind laut einem Forschungsteam der ETH Zürich die 180 emissionsstärksten Unternehmen direkt für die Hälfte der Zunahme von Hitzewellen seit Beginn der Industrialisierung verantwortlich. Mehr muss man dazu glaube ich nicht sagen. Auch die aktuelle Hitzewelle, da sind sich Forscherinnen einig, hätte es vor 50 Jahren so nicht geben können. Der Klimawandel löst übrigens auch generell stabilere Wetterlagen aus. Das heißt, dass sowohl Hitzewellen, als auch Schlechtwetterlagen länger andauern.
Es braucht schnellere Anpassungsoptionen
Bei solch lang anhaltenden heißen Temperaturen ist gerade in Städten kaum mehr Abkühlung möglich. Schülerinnen sitzen bei gleich hohen Temperaturen wie draußen in ihren Klassenzimmern. Wer ohne Klimaanlage im Dachgeschoss wohnt, hat wahrscheinlich sogar noch höhere Temperaturen als draußen. Also wie am besten mit der Hitze und den abartigen Temperaturen umgehen? Ich will jetzt nicht nochmal alle Hitzetipps zur kurzfristigen Linderung aufzählen. Was langfristig wichtiger ist: Wir müssen massiv umdenken und anfangen, Hitzeschutz wirklich ernst zu nehmen. Und nicht nur gerade dann darüber nachzudenken, wenn uns eine Hitzewelle quält.
Man muss an vielen Fronten Symptombekämpfung betreiben. Beispielsweise mit klimatisierten Schutzräumen für Vulnerable. Aber auch langfristig strategisch planen, etwa mit Entsiegelung von großen Asphaltflächen, Beschattung durch resiliente Stadtbäume, Fassaden- und Dachbegrünung. Es braucht aber auch mehr Außenverschattung an Wohnhäusern, den Abbau bürokratischer Hürden zum Hitzeschutz und Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser und dann auch vermehrt Privatwohnungen müssen langfristig klimatisiert werden.
Aber statt nur die Symptome zu bekämpfen, sollten solche Hitzewellen vor allem ein Weckruf sein: für zukunftsgerichtete politische Entscheidungen, die einen echten strukturellen Wandel ins Rollen bringen.
🐰 Rabbithole
Vertiefung, Klimadaten, Spiele, Musik! Dieses Mal ein etwas lockeres Rabbithole!
Hitze-Dossier Wiener Flaneur
Auch letztes Jahr war es zu heiß in Wien. Deshalb hab ich für den tollen Wiener Flaneur diesen Text verfasst, der an Aktualität (leider) nichts eingebüßt hat. Wie geht die Stadt mit der zunehmenden Bedrohung durch Hitze um und ist sie wirklich so eine “Klima-Musterstadt”?
Soundtrack zur Heatwave
An mir ist ein bisschen ein Musik-Journalist verloren gegangen. Deshalb hab ich mir an einem unproduktiven Nachmittag mal angeschaut, welche Songs es thematisch zu Hitze und Sommer so gibt. Von Rap über House bis zu Classic Rock und Austropop ist alles dabei. Gern reinhören!
Heat Tracker Klimadashboard
Das Team vom Klimadashboard, das wirklich grandiose Arbeit im Bereich des klimabezogenen Datenjournalismus leistet, mit ihrem neuen Projekt: Ein interaktiver Heat Tracker für Europa, der historische Aufzeichnungsdaten mit aktuellen Messungen verbindet. Unbedingt anschauen!
Klima & Energie-Spiele
Thematisch etwas unrelated, wobei natürlich übermäßiger CO2-Ausstoß für Hitzewellen verantwortlich ist: Eine Reihe von kurzweiligen Online-Games vom Datenjournalist David Bauer, bei dem Ihr euren Kenntnisstand zu den Klimabestrebungen unterschiedlicher Länder prüfen könnt
🎙️ Flurfunk
Notizen aus der Redaktion
Wir sind aktuell auch eher im Hitzewellen-Überlebungs--Modus. Deshalb (und damit der Newsletter hier nicht ewig lang wird) mal kein Update!
Das war's für heute auch schon wieder, eine Bitte habe ich noch: Fragt mal eure älteren Nachbarinnen, chronisch erkrankten Freundinnen oder Bekannte mit Kleinkindern wie es ihnen geht und ob sie irgendwas brauchen, um besser mit der Hitze klarzukommen.
Wir freuen uns immer über Feedback! Dafür könnt ihr einfach auf diese Email antworten. Und noch ein kleiner Disclaimer zum Schluss: Männer sind beim generischen Femininum natürlich mitgemeint.
Wenn ihr beim Lesen dieser Mail an Freundinnen/Bekannte/Kolleginnen denken musstet, denen dieser Newsletter auch gefallen würde: Hier könnt ihr den Newsletter weiterempfehlen!
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Passt auf euch und einander auf, wir lesen uns nächstes Monat!
Beste Grüße, Frederik Hocke




