
Hi {{Vorname | Du}}!
Das ist mittlerweile die fünfte Ausgabe von KurzschlussFieldnotes, ich bin Frederik Hocke und begeisterter Ausdauersportler (sowohl zu Fuß als auch auf Rädern). Dabei habe ich einen Hauptgegner. Und um den soll es heute gehen: Wind.
Was dich heute erwartet:
Mit KurzschlussFieldnotes wollen wir helfen, den Klimawandel besser zu verstehen. Wir beleuchten die Hintergründe der Schlagzeilen und machen die Klimakrise anhand konkreter Geschichten und Menschen greifbar.
Wurde dir dieser Newsletter weitergeleitet? Dann kannst du ihn hier abonnieren.
Geopolitische Krisen zeigen immer wieder schön auf, wie unsouverän die Versorgung mit fossiler Energie eigentlich wirklich ist. Aber Krisen können auch Chancen bieten, wie auch Winston Churchill schon gewusst haben soll: “Never waste a good crisis”. In unserem Fall: eine schneller Wechsel hin zu einem sauberen, erneuerbaren Energiesystem. Was uns dabei zurückhält? Zweifel, Scheinargumente und Verlangsamung.
🧩 WIND(KRAFT)
Die österreichischen Windkraft-Probleme
Während der Wind beim Radfahren zwar nervt, ist er tatsächlich ein wichtiger Bestandteil für das österreichische Ziel, bis 2030 hundert Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energieformen zu beziehen. Mit einem guten Wasserkraft-Netzwerk sind wir in Österreich schon länger auf dem richtigen Weg, allerdings sorgen Fluten und Trockenheit (beide unter anderem verstärkt durch den Klimawandel) für immer schlechtere Energie-Erträge. Weil Photovoltaik überwiegend im Sommer für stabile Stromproduktion sorgt, ist insbesondere der Ausbau von Windkraftanlagen essentiell. Kein leichtes Unterfangen, denn zu oft gibt es Gegenwind (pun intended) aus der Bevölkerung.
Dabei hat eine Mehrheit (69%) in Österreich eigentlich gar kein Problem mit Windkraftanlagen, sogar wenn sie in der eigenen Gemeinde errichtet werden. Woran liegt es also, dass Windkraft-Abstimmungen immer wieder scheitern? Grob gesagt: “Ortsfremde Gegner” machen überregional massiv Stimmung gegen Windkraftprojekte und verunsichern Anwohnerinnen der betroffenen Ortschaften. Das hat Maria Prchal für Profil eindrucksvoll recherchiert (siehe Rabbithole).
Die Leugner im eigenen Umfeld
Vielleicht hast du in deinem eigenen Umfeld auch solche Menschen, die, um es nett zu formulieren, nicht so ganz d´accord mit erneuerbarer Energie sind. Ich verstehe ja bis heute nicht, wieso das Thema solche emotionalen Reaktionen hervorruft.
Um konstruktive Argumente für eine potenzielle Diskussion zu bieten, ist der Rest des Newsletters dem Entkräften ein paar der üblichen Argumente gegen Windkraft gewidmet.
“Windkraft tötet Vögel”: Es stimmt leider: Vögel kollidieren mit Windkraftanlagen und sterben daran. Schaut man sich die Zahlen (in Deutschland) an, verliert das Argument aber an Wirkung. Während Glasscheiben jährlich ca. 108 Millionen, Straßenverkehr 70 Millionen, und Hauskatzen 60 Millionen Vögeln das Leben kosten, liegt die Zahl bei der Windkraft bei etwa 100.000 (ohne Million dahinter). Also verschwindend gering. Zudem betont der bayerische Landesverbands für Vogel- und Naturschutz: Der Klimawandel selbst ist für viele Vogelarten eine weitaus größere Bedrohung als Rotorblätter.
“Windkraftanlagen können nicht recycelt werden und sorgen für viel Bodenversiegelung”: Fast schon amüsant, wie manche Windkraftgegnerinnen bei dem Thema plötzlich ihr Herz für Bodenschutz und Kreislaufwirtschaft entdecken. Was die Versiegelung betrifft: 99 % einer Windparkfläche bleibt für den land- und forstwirtschaftlichen Betrieb weiterhin nutzbar. Das betonierte Fundament wird nach Abbau einer Windkraftanlage auch wieder entfernt. Und 90% der Windradkomponenten sind recyclebar. In Österreich werden laut IG Windkraft fast alle ausrangierten Anlagen ins Ausland verkauft und dort weiterbetrieben. Und selbst für schwierig recyclebare Teile wie die riesigen Rotorblätter gibt es Lösungen: Beispielsweise durch die Verwendung in der Zementindustrie oder das Upcycling der Rotoren als Fußgängerbrücken.
“Windräder sind nicht effizient und die Produktion ist nicht CO2-Neutral”: Gehen wir das mal logisch an. Warum sollten Investorinnen Millionen in Windparks stecken, wenn es sich nicht lohnen würde? Kurze Erinnerung: Wir leben immer noch im Kapitalismus. Der Wirkungsgrad von Windkraftanlagen liegt bei 40-50%, nach der Wasserkraft der zweithöchste Wirkungsgrad von Erneuerbaren. Und die Klimabilanz in der Herstellung? Ja, so wie die Herstellung für fast alles, wird auch in der Herstellung von Windrädern CO2 ausgestoßen: für Stahlproduktion, Transport & Installation. Diese “graue Energie” eines Windrads ist jedoch nach 3-4 Monaten Laufzeit bereits wieder “reingeholt”. Ein wirklich kurzer Abschnitt des Lebenszyklus eines Windrades, das durchschnittlich 20-25 Jahre lang Energie produziert.
“Verschandeln das Landschaftsbild und der Infraschall macht krank": Fragen wir doch mal andersrum. Hätten die Leute wohl lieber ein Gaskraftwerk oder einen Atommeiler in ihrem Blickfeld stehen? Mit einem Mindestabstand von einem Kilometer zu Wohngebieten hat Österreich eine der strengsten Regelungen in ganz Europa. Was den Infraschall und Gesundheit angeht: Erstens: selbst im Nahgebiet eines Windrades ist der so gut wie kaum wahrnehmbar, und zweitens: wenn es wirklich um die Gesundheit ginge, müssten die Leute eigentlich vielmehr gegen Flugzeuge, Industrie und Straßenlärm mobil machen. Alles Infraschallquellen, denen man im täglichen Leben viel stärker ausgesetzt ist.
🐰 Rabbithole
Da die Argumente im Text nicht ansatzweise das komplette Repertoire der Anti-Windkraft-Erzählungen umfassen, gibts hier noch Vertiefung!
Die Anti-Windkraft-Allianz
Recherche des Profil zu einer durch überregional agierende Gruppierungen geplatzten Abstimmung für Windkraftanlagen im Waldviertel.
Grantiger Onkel
Ein kurzweiliges Onlinespiel, das vermittelt, wie man mit klassischen Klima-Leugnungsparolen umgehen kann und sollte.
🎙️ Flurfunk
Notizen aus der Redaktion
Kennt ihr eigentlich schon den FWF-Podcast “Was Wir Wissen”? Den hostet meine Kollegin Francesca gemeinsam mit Wissenschaftsjournalist Thomas Zauner. Aktuell arbeiten die beiden fleißig an der zweiten Staffel, wo es um den Zufall gehen wird. In der ersten Staffel ging es um’s Menschsein - große Hörempfehlung! LINK
Das wars schon wieder von uns, ich hoffe der Newsletter kann als Hilfestellung dienen, wenn du mal in Windkraft-Diskussionen kommen solltest.
Wir freuen uns immer über Feedback! Dafür könnt ihr einfach auf diese Email antworten. Und noch ein kleiner Disclaimer zum Schluss: Männer sind beim generischen Femininum natürlich mitgemeint.
Wenn ihr beim Lesen dieser Mail an Freundinnen/Bekannte/Kolleginnen denken musstet, denen dieser Newsletter auch gefallen würde: Hier könnt ihr den Newsletter weiterempfehlen!
Du bist neu dabei? Hier gehts zum Archiv unserer letzten Ausgaben!
Wir lesen uns im kommenden Monat, bis dahin nur das Beste!
Frederik Hocke





