
Hi {{Vorname | Du}}!
ich bin Frederik Hocke und du liest die vierte Ausgabe unseres Newsletters KurzschlussFieldnotes. Wer mich persönlich kennt, weiß dass ich manchmal Fashion Victim bin - ich kenne Trends und mach gelegentlich auch mit. Und genau darum soll es heute gehen: Fashion in der Klimakrise.
Was dich heute erwartet:
Mit KurzschlussFieldnotes wollen wir helfen, den Klimawandel besser zu verstehen. Wir beleuchten die Hintergründe der Schlagzeilen und machen die Klimakrise anhand konkreter Geschichten und Menschen greifbar.
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Wenn die Tage länger werden und die Sonnenstrahlen am Fenster signalisieren, dass es mal wieder Zeit wäre, diese zu putzen, gibt’s bei mir daheim immer einen großen Frühjahrsputz. Da gehört natürlich auch ein gründliches Ausmisten des Kleiderschranks dazu. Als klimabewusster Fashion-Aficionado stehe ich dann vor einem Problem: Wie kann ich meine Begeisterung für neue Mode unter den aktuellen Umständen, wie es um unsere Erde gestellt ist, überhaupt noch rechtfertigen?
🧩 FASHION
Frisches Fit, fader Beigeschmack
Ich glaube, wir kennen es alle. Kurz im Internet klicken, zahlen, und drei bis vier Tage später liegt ein Paket vor der Tür. Wenn es schlecht läuft, wird das Stück dann direkt wieder zurückgeschickt oder nur dreimal getragen, bevor es in der hintersten Ecke des Schranks verschwindet. Darüber ärgere ich mich dann spätestens beim nächsten Frühjahrsputz, aber das Problem dahinter ist viel größer.
Komplett mit der gesamten Modeindustrie abzurechnen, würde diesen Rahmen hier total sprengen. Deshalb zähle ich mal beispielhaft auf:
16% aller Insektizide weltweit werden auf Baumwollfeldern versprüht.
40% aller neu produzierten Textilien bestehen aus Polyester, sprich aus Erdöl.
Bei der Textilveredelung, also der Aufbereitung von Stoffen, sind bis zu 6.500 verschiedene Chemikalien im Einsatz. Auch Schwermetalle wie Kupfer oder Arsen.
Die Textilbranche ist die Branche mit dem zweitgrößten Wasserverbrauch insgesamt, nach der Landwirtschaft.
Die Bedingungen, unter denen Menschen in Sweatshops arbeiten, sind gelinde gesagt menschenunwürdig.
Die gesamte Modeindustrie ist für circa 10% des weltweiten CO₂-Ausstoßes verantwortlich.
Wir konsumieren viel zu viel und viel zu billig.
So, point proven. Diese potente Mischung an Umwelt- und Klimabelastungen werden durch immer schnellere Kollektionszyklen multipliziert. Influencer reden einem nebenbei noch ein, dass man doch noch dieses eine weitere Go-To-Piece für den aktuellen Frühling braucht. Unser Konsum ist aus dem Ruder gelaufen.
Die meisten unserer Klamotten (ja, nicht nur die “billigsten”, sondern mittlerweile auch teure Luxusmarken) sind extrem minderwertig produziert. Die qualitätsbedingte viel zu kurze Nutzung führt dann dazu, dass bis zu 40% der Klamotten, die in afrikanische Länder zur Weiterverwertung geschickt werden, direkt auf der Müllhalde landen. “Dead White Mens Clothes" wird diese minderqualitative Second-Hand Kleidung aus Europa in Ghana genannt. Wir kaufen also Kleidung, die andere Länder für uns entsorgen müssen. Ziemlich krankes System, oder?
Die Lösung, die wir nicht hören wollen
Also, was tun gegen diesen massiven Überkonsum? Man will es wahrscheinlich nicht hören, aber wir müssen einfach weniger konsumieren. Und vor allem weniger Neues. Wie das funktionieren kann?
Kleidertausch mit Freunden (siehe auch dieses Reel). Second-Hand Plattformen und -Shops und Flohmärkte nach neuer Fashion durchstöbern. Teure Stücke für besondere Anlässe mieten statt kaufen (beispielsweise Ballkleider). Kleidungsstücke so lange wie möglich tragen und wenn das nicht mehr geht, vielleicht sogar selbst upcyclen oder anderweitig verwenden, zum Beispiel als Putzlappen
Ich will und kann hier aber auch nicht der Moralapostel sein, der jeglichen Konsum neuer Kleidung verteufelt. Wenn man Bock auf etwas Neues hat, ist das natürlich auch ok. Man kann dann aber vielleicht auf das Konzept einer “Capsule Wardrobe” setzen. Also ein paar hochwertige, gut verarbeitete Basic-Teile, die sich alle kombinieren lassen mit ausgewählten Statement Pieces, statt jedem Trend hinterherzurennen. Wenn man dabei auch noch auf gute Qualität und Verarbeitung und faire Produktionsbedingungen achtet, macht man schon viel richtig. Denn je besser Klamotten produziert sind, desto länger kann man sie auch tragen.
Warum das nicht die ganze Lösung ist
Klassische Konsumkritik und Askese ist für mich aber sicher nicht die ganze Lösung. Solche Mechanismen verlagern die Verantwortung nämlich alleine auf uns Konsumentinnen. Es wäre naiv zu denken, dass alle Probleme der Fashion-Industrie mit individuellen Lifestyle-Choices gelöst werden können. Dennoch braucht es auch eine massive Verhaltensänderung von Konsumentinnen, weg von Fast Fashion. Die Transformation der gesamten Branche wird aber bestimmt nicht ohne politischen Druck geschehen: Es bedarf erweiterter Herstellerverantwortung entlang der ganzen Lieferkette. Eine bessere Recyclingfähigkeit alter Klamotten, beispielsweise indem weniger Mischgewebe verwendet werden. Und vor allem eine Regelung der Produktionsmengen gegen die Überproduktion. Gerade in der EU passieren in dieser Hinsicht langsam aber sicher schon die richtigen Dinge. Beispielsweise das Verbot zur Vernichtung zurückgesendeter Kleidungsstücke, das ab Juli in Kraft tritt. Die Fast-Fashion-Riesen werden die Ausnahmen von diesem Verbot sicher wieder so liberal auslegen wie nur irgendwie möglich. Wir werden also weiterhin das machen, was wir gut können: Weiter draufschauen, erklären, einordnen und kritisieren.
🐰 Rabbithole
Das Thema Fashion & Nachhaltigkeit ist einfach viel zu groß, verwoben (pun intended) und undurchsichtig. Deshalb hier ein paar vertiefende spannende Links.
Wo Altkleider wirklich landen
Greenpeace Österreich hat sich mithilfe von Bluetooth-Trackern angeschaut, welche Wege Altkleider wirklich zurücklegen. Spoiler: Teilweise ziemlich weite.
Die Schattenseiten der Industrie
Spannender Videoessay des Modedesigners und Auskenners “hamel” über das Textilmüll-Problem der Second-Hand-Branche auf YouTube.
Dein eigener Mode-Fußabdruck
Wie groß ist die Umweltbelastung durch deinen Modekonsum? Dieser Rechner kann ein guter Ansatz sein, um deinen Impact zu ändern.
Second-Hand Greenwashing?
Informativer Podcast von den Kolleginnen der “tagesschau 11km” über den Second-Hand Anbieter Sellpy und die Verbindung zu Fast-Fashion.
🎙️ Flurfunk
Notizen aus der Redaktion
Der April war bei uns etwas weniger arbeitsintensiv, deshalb diesmal auch kein klassischer Flurfunk. Das lag daran, dass bei uns beiden privat einiges zusammengekommen ist. Francesca war noch mit Umzug beschäftigt, als sie familiär bedingt spontan nach Amsterdam musste. Fred musste einen sportlichen Sidequest absolvieren.
Wir drehen den Spieß mal um: was tut sich bei euch? Gibt es Themen, die wir für euch aufgreifen oder weiter recherchieren sollen? Antwortet einfach auf diese Mail.
Und die Good News zuletzt: ab Mai unterstützt uns wieder die großartige Laetitia, die mit ihrem Reel zum Kleidungsvernichtungsgesetz, die Gedanken für diesen Newsletter inspiriert hat!
Und so sind wir auch schon wieder am Ende dieser Ausgabe angelangt. Hast du Feedback dazu? Dann antworte einfach auf diese Mail. Und noch ein kleiner Disclaimer zum Schluss: Männer sind wie immer mitgemeint!
Wenn ihr beim Lesen dieser Mail an Freundinnen/Bekannte/Kolleginnen denken musstet, denen dieser Newsletter auch gefallen würde: Hier könnt ihr den Newsletter weiterempfehlen!
Du bist neu dabei? Hier gehts zum Archiv unserer letzten Ausgaben!
Wir lesen uns im kommenden Monat, bis dahin nur das Beste!
Frederik Hocke




