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Ich bin Laetitia Pfau, Journalismusstudentin und zur Zeit Praktikantin bei der KurzschlussRedaktion. Falls Du uns auf Instagram folgst, hast Du mein Gesicht vielleicht schon das ein oder andere Mal gesehen – wenn nicht, solltest Du das schnellstens nachholen! Da wir auf Social Media aber in rund 90 Sekunden nicht immer genug Platz für alle Facetten und Nuancen haben, darf ich meine Gedanken heute auf einem anderen Weg mit Dir teilen.

Mit KurzschlussFieldnotes wollen wir helfen, den Klimawandel besser zu verstehen. Wir beleuchten die Hintergründe der Schlagzeilen und machen die Klimakrise anhand konkreter Geschichten und Menschen greifbar.

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Kennst Du das? Du stehst im Supermarkt, wolltest eigentlich nur schnell fürs Abendessen einkaufen und stehst plötzlich vor tausenden Entscheidungen: Tomaten aus Österreich oder doch lieber Bio-Tomaten? – dafür aus Spanien… Joghurt im Plastikbecher oder doch den teureren im Mehrwegglas? An der Kassa bemerkst du, dass du deinen Stoffbeutel vergessen hast; also Papiertüte (sorry, ich bin Deutsche…) oder doch (noch eine weitere) Mehrwegplastiktasche kaufen? Und plötzlich fühlt sich Einkaufen an wie eine moralische Prüfung. (Nachhaltigkeit ist für viele von uns längst keine Zusatzoption mehr, sondern eine Dauerentscheidung. Und das kann ganz schön anstrengend werden.) Damit wir trotzdem nicht die Motivation verlieren unsere Erde zu einem besseren Ort zu machen, schauen wir uns heute an, wie welche unserer Klimaentscheidungen wirklich sinnvoll sind.

🧩 KLIMACHECK

Die nachhaltigste Entscheidung?

Wenn Dir Klimaschutz nicht egal ist (und davon gehe ich jetzt mal aus, da Du diesen Klimanewsletter abonniert hast) kennst du diese Überforderung bestimmt auch. Für jede kleine Alltagsentscheidung braucht man gefühlt einen PhD, um zu wissen, was die nachhaltigste Entscheidung ist. Mülltrennung, Kleidung oder Urlaubsplanung: trifft man die „falsche“ Entscheidung wartet das schlechte Gewissen. Oder noch schlimmer: die Moralapostel, die sowieso alles am besten wissen. Aber: Niemand von uns kann zu all diesen Themen Expertin sein. Außerdem hängt es auch von Ressourcen und Privilegien ab, wann, wo und wie man sich fürs Klima einsetzt. Deshalb ist meine vielleicht wichtigste Erkenntnis: Wir sollten unbedingt aufhören uns gegenseitig dafür zu judgen (sorry für die Anglizismen, bin auch noch Gen Z), wie wir den Klimaschutz im Alltag umzusetzen versuchen. Denn nicht alles, was klimafreundlich scheint, ist auch wirklich effektiv. Manche Entscheidungen haben eher symbolischen Charakter, als dass sie strukturell etwas bewirken. Nur wird uns dieser Unterschied im Alltag kaum vermittelt. Also lass uns kurz einen Schritt zurücktreten und sortieren: Welche Entscheidungen haben wirklich einen Klima-Impact und wo lassen wir uns von Klimamythen in unnötige Schuldgefühle treiben?

Welches Potenzial steckt in unseren Klimaentscheidungen?

Zuerst möchte ich mal grundsätzlich festhalten: Klimaschutz entscheidet sich nicht im Supermarktregal. Die großen Hebel liegen in politischen Entscheidungen, der Transformation von Energie-, Industrie- und Verkehrssystemen und in gesetzlichen Rahmenbedingungen. Trotzdem treffen wir jeden Tag Entscheidungen, die unseren CO2-Fußabdruck beeinflussen (warum der übrigens Bullshit ist, hab ich dir im Rabbithole verlinkt). Nicht alle gleich stark. Nicht alle gleich relevant. Und genau hier wird es interessant:  Denn viele von uns haben falsche Vorstellungen davon, welche persönlichen Handlungen tatsächlich relevant für die CO2-Bilanz sind. Das ist bei dem „information overload“, mit dem wir täglich konfrontiert werden, auch völlig nachvollziehbar. Zwischen Studien, Infografiken und Halbwissen auf Social Media – natürlich nicht bei uns ;) – kann die Einordnung schnell mal verschwimmen. Und so kann es passieren, dass unser Engagement nicht immer dort ansetzt, wo es den größten Unterschied machen würde. 

Vielleicht kennst du diesen Gedanken: Wenn ich mich im Alltag brav an bestimmte Klima-”Regeln” halte, weniger Plastik verwende, recycle und Fahrgemeinschaften bilde, dann darf ich mir ja auch meinen jährlichen Langstreckenflug gönnen, oder? Ich möchte mich jetzt nicht in Deine Reiseplanungen einmischen und schon gar kein schlechtes Gewissen einreden, aber Recycling und Fahrgemeinschaften machen keinen Langstreckenflug wett.

Übrigens, meine Hündin Jodie freut sich vermutlich, dass ich erst jetzt bei der Recherche erfahren habe, wie schlecht die Hundehaltung fürs Klima ist, unter anderem durch den hohen Fleischkonsum, ressourcenintensive Futterproduktion und umweltbelastende Ausscheidungen. Solange jedoch auf politischer Ebene weiterhin Entscheidungen getroffen werden, die den Klimaschutz ausbremsen, bringt es vermutlich wenig, jetzt auch noch mit schlechtem Gewissen neben seinem Haustier auf der Couch zu sitzen.

Fakt ist aber: Einige unserer individuellen Entscheidungen haben einen besonders großen Klimaeffekt – und dazu gehören vor allem Fliegen und Fleischkonsum. Untersuchungen des World Resources Institute haben gezeigt: Wenn wir auf nur einen Langstreckenflug verzichten oder weniger „Kohlenstofffleisch“ (also besonders CO2-intensives Fleisch wie Rindfleisch) konsumieren, hat das einen erheblichen Einfluss. Noch besser ist natürlich eine komplett vegetarische Ernährung. Das hilft nämlich nicht nur dem Klima, sondern auch den Tieren enorm. Wenn du sogar vegan lebst, bist du richtig krass!!

Ich habe aber noch mehr positive Hebel für Dich: Strom sparen ist super, noch wichtiger ist jedoch, woher dieser kommt: Ein Wechsel zu Ökostrom macht einen größeren Unterschied, als viele Menschen denken. Und auch der Verzicht aufs Auto hat’s in sich. Ein autofreies Leben ist laut den Forschungen des WRI nämlich 78-mal wirkungsvoller als beispielsweise Kompostieren. Für manche mag das unrealistisch erscheinen,  aber es muss ja auch nicht immer alles oder nichts sein: Schon ein Umstieg auf ein Hybrid- oder Elektroauto hat einen signifikanten positiven Einfluss. 

Und jetzt?! 

Puh, das waren jetzt ganz schön viele Infos auf einmal… Hier also eine kurze Zusammenfassung der effektivsten Lifestyle-Entscheidungen:

  1. Möglichst autofrei leben

  2. Weniger fliegen

  3. Ökostrom beziehen

  4. (Am besten ganz) auf Fleisch verzichten 

  5. Nicht mehr als 20 Sekunden darüber nachdenken, welche Tomate man kauft

Um das kurz klarzustellen: Natürlich will ich nicht, dass Du nach diesem Newsletter aufhörst zu recyclen, zu kompostieren oder mit deinen Kolleg:innen zur Arbeit zu carpoolen, nur weil andere Handlungen einen noch größeren Effekt haben. Und bitte bitte setz deinen Hund nicht aus!! 

Aber vielleicht konnte ich ein bisschen Licht ins Dunkel bringen, wo unsere Bemühungen besonders hilfreich sind und an welcher Stelle man vielleicht auch mal ein Auge zudrücken kann. Meine zweite Erkenntnis lautet deshalb: Klimaschutz sollte kein moralischer Eignungstest sein, den wir täglich bestehen oder nicht. Es ist vielmehr ein Lernprozess. Es geht weniger darum, jede Entscheidung perfekt zu treffen – sondern eher darum, die wirklich wirksamen Hebel zu kennen und sie bewusst zu nutzen.

🐰 Rabbithole

Es gibt noch viiiiel mehr Klimamythen, die dich überraschen werden. Viel Spaß im Rabbit Hole!

Wie wirksam sind Klimaschutzmaßnahmen?

Die Studie des World Resources Institute hat insgesamt 21 klimafreundliche Verhaltensweisen analysiert, um herauszufinden, welche davon die Treibhausgasemissionen am stärksten reduzieren. Für alle, die noch tiefer ins Thema eintauchen wollen, sehr interessant!

Wer hat den ökologischen Fußabdruck erfunden?

Wusstest Du, dass der CO2-Fußabdruck von einem britischen Mineralölunternehmen erfunden wurde? Vermutlich um möglichst lang davon abzulenken, dass fossile Brennstoffe die Zukunft unserer Erde zerstören, während wir unseren Fußabdruck berechnen…

Wie wirksam war die Klimapolitik der letzten 20 Jahre?

Ein internationales Forschungsteam hat klimapolitische Maßnahmen der letzten 20 Jahre auf ihre Wirksamkeit analysiert. Begleitend dazu gibt es auch einen Climate Policy Explorer, in dem man politische Maßnahmen genauer unter die Lupe nehmen kann.

Was es braucht, für wirksame Klimamaßnahmen

Für wirksamen Klimaschutz, braucht es nicht nur die richtigen Maßnahmen, man muss auch wissen, wie man Maßnahmen so gestaltet, dass sie auf breite Akzeptanz stoßen. Worauf es ankommt, erfahrt ihr in diesem Interview.

🎙️ Flurfunk

Notizen aus der Redaktion

In unserem neuen Format „Klimacheck“ nehmen wir auf Social Media gängige Klimamythen genauer unter die Lupe. Also schaut unbedingt auf unserem Insta- und Tiktok-Account vorbei, wenn ihr das nicht verpassen wollt!

Das war die dritte Ausgabe von KurzschlussFieldnotes. Wenn Du zu diesem Thema noch ein paar Gedanken loswerden möchtest, schreib uns gern – dafür kannst Du einfach direkt auf diese E-Mail antworten. Wir freuen uns von Dir zu hören!

Und noch ein kleiner Disclaimer zum Schluss: Männer sind beim generischen Femininum natürlich mitgemeint.

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Genießt die (hoffentlich bald wieder sonnigen) Frühlingstage, bis zum nächsten Mal!

Laetitia Pfau