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Ich bin Francesca Grandolfo, Klimajournalistin und gemeinsam mit Fred Co-Founderin der KurzschlussRedaktion. Heute darf ich ein paar meiner “Notizen aus dem Feld” mit euch teilen.

Mit KurzschlussFieldnotes wollen wir helfen, den Klimawandel besser zu verstehen. Wir beleuchten die Hintergründe der Schlagzeilen und machen die Klimakrise anhand konkreter Geschichten und Menschen greifbar.

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An alle Frostbeulen wie mich: Wir haben es bald geschafft! 🌼 In einer Woche ist meteorologischer Frühlingsbeginn und hoffentlich können wir Kälte, Schnee und Grau hinter uns lassen. Für mich wird es ein ganz besonderer Frühling, ich werde ihn heuer nämlich in einer neuen Wohnung (vermutlich noch im Umzugschaos) begrüßen.

Dort komme ich nicht nur in den Genuss eines unbefristeten Mietvertrags und einer Loggia, ich werde auch zum ersten Mal seit zehn Jahren nicht mehr mit Gas heizen (müssen). Meine Gedanken dazu sind das Thema dieser zweiten Ausgabe von KurzschlussFieldnotes.

🧩 Heizen

Verheizen wir die Zukunft?

“Energiewende” ist eines der großen Schlagwörter im Kampf gegen die Klimakrise. Kurz zusammengefasst bedeutet das: raus aus Kohle, Öl und Gas (fossile Energie), hin zu Wasser-, Wind- und Sonnenkraft (erneuerbare Energie). Im Grunde geht es darum, Energie so zu erzeugen, dass weniger Treibhausgase ausgestoßen werden, damit der Klimawandel nicht noch schneller voranschreitet.

Quizfrage: Wofür glaubt ihr, brauchen wir in Österreich am meisten Energie? Ich hab jetzt leider keinen Preis für euch, nur die richtige Antwort: nämlich für Heizen und Warmwasser. Der sogenannte “Wärmesektor” macht fast die Hälfte von Österreichs gesamten Energieverbrauch aus. Wenn wir es also schaffen, umweltfreundlicher zu heizen, kommen wir einen riesigen Schritt voran in der Energiewende. Das hat Österreich auch vor, bis 2040 soll die Wärmeversorgung klimaneutral sein. Das heißt: die Wärmeversorgung soll nur so viel Treibhausgase ausstoßen, wie die Natur auch wieder aufnehmen kann. Einen Fahrplan, wie das genau gehen soll, gibt es allerdings nicht.

Übrigens, ich hatte selber lange nicht am Schirm, dass fast die Hälfte unserer verbrauchten Energie “verheizt” wird. Und ich hab da auch so eine Vermutung warum. Wir reden nämlich viel über individuelle Verantwortung: lieber Öffis statt Auto, nicht Fliegen, kein Fleisch essen, Strom sparen… hier könnte ich noch ewig weiter aufzählen. Das sind alles auch wichtige Schritte hin zu einem nachhaltigeren Umgang mit unserer Erde und ihren Ressourcen. Müssen wir uns jetzt auch noch um nachhaltiges Heizen kümmern? 

Wer trägt die Verantwortung?

Grundsätzlich sind natürlich Hauseigentümerinnen für das Heizsystem in ihrem Haus verantwortlich - sei es im Einfamilienhaus, im Altbau-Zinshaus oder in einem großen Neubau. Aber hier ist schon mal die erste Hürde, denn selbst wenn ich eine eine Wohnung in einem Mehrparteienhaus besitzen würde (I wish🥲): Als Wohnungsbesitzerin könnte ich mitentscheiden, wäre aber auch von den anderen Parteien im Haus abhängig. Und selbst wenn mir das ganze Haus gehören würde: ist ein Umrüsten überhaupt möglich? Wieviel Aufwand und Kosten bedeutet zum Beispiel der Anschluss ans Fernwärmenetz? Und was bringt mir das, wenn ich nicht in dem Haus wohne, weil ich es vermiete?

Bis 2024 gab es das bundesweite Förderprogramm “Raus aus Öl und Gas”. Aktuell ist der Fördertopf leer, mal schauen, wie schnell (oder langsam) er wieder gefüllt wird. In den Bundesländern gibt es teilweise noch Fördermöglichkeiten, rosig sieht es aber nicht aus. Ihr merkt schon: ich bin nicht sehr optimistisch, dass wir den Wärmesektor in den nächsten 14 Jahren klimafitter oder sogar klimaneutral machen, wenn es keine klaren Vorgaben und Anreize gibt.

Die Klimakrise hat System

Falls ihr euch jetzt fragt: was kann ich tun? Dann hab ich good News: solange ihr keine Hauseigentümerinnen seid und so wie ich mietet, macht euch einfach nicht zu viel Gedanken darüber. Klar, wenn es euch wirklich wichtig ist, könnt ihr mit der Vermieterin über mögliche Alternativen, Förderungen oder Sanierungsmöglichkeiten sprechen. Sanieren ist übrigens ein unterschätzter Puzzlestein in der Wärmewende: je besser isoliert wir wohnen, desto weniger müssen wir heizen. Und sparsam heizen tut nicht nur der Umwelt gut, sondern auch der Geldbörse. Grundsätzlich gibt es viele Gründe, warum man sich für nachhaltiges Heizen entscheidet. Aber mein Fazit ist eher ein anderes: Wenn jede für sich alleine Lösungen sucht, werden wir nicht weit kommen. Die Klimakrise hat System, deshalb braucht es auch systemische Lösungen. 

Der Wärmesektor zeigt nur stellvertretend, dass wir uns noch immer in einem fossilen System befinden. Immerhin dürfen seit 2023 keine neuen Gasheizungen mehr geplant werden. Trotzdem habe ich bei meiner Wohnungssuche auch eine Neubauwohnung besichtigt, die 2024 fertiggestellt wurde und heute mit Gas beheizt wird. Dass die Heizung schon in 14 Jahren ausgetauscht werden muss, war für die Baufirma vermutlich kein relevantes Argument. Wohl eher, dass fossile Energie oft immer noch die einfachere und billligere Option ist. Das zeigt für mich: Es braucht klare Vorgaben, Regeln und Ziele, wenn wir die Energiewende wirklich schaffen wollen.

Und so ist es auch in vielen anderen Bereichen, wo uns Einzelpersonen gerne die Verantwortung zugeschoben wird: Fliegen ist oft billiger als Zugfahren, Fleisch ist oft billiger als Fleischalternativen, usw. Dabei könnte die Politik viele Bereiche auch so mitgestalten, dass es billiger und einfacher ist, die nachhaltige Option zu wählen. 

Falls ihr Lust habt, euch noch weiter zur Wärmewende zu informieren, folgen im Rabbithole ein paar ergänzende Links. Und den nächsten Puzzlestein, um die Klimakrise greifbarer zu machen, gibt’s dann Ende März.

🐰 Rabbithole

Ready für den Deep Dive zum Thema Heizen? Viel Spaß im Rabbithole!

Die Wärmewende in Zahlen

Für alle Datennerds die das Klimadashboard noch nicht kennen: große Empfehlung! Hier kann man sich interaktiv mit Statistiken, Prognosen und regionalen Unterschieden in der Klimakrise auseinandersetzen.

 Zukunftsfitte Heizsysteme

Falls unter euch auch Hauseigentümerinnen sind: hier ein informativer Überblick von Global 2000.

PS: falls ihr reiche Hauseigentümerinnen seid und Klimajournalismus unterstützen wollt, meldet euch! 😇

 Die Wärmewende zum Hören

Wer sich lieber hörend statt lesend informiert, dem kann ich diese Podcastfolge unserer Bürokolleg:innen von Sisigrant empfehlen. Nicht nur informativ, sondern auch ziemlich witzig!

Die Wärmewende zum Sehen

Und als letztes noch ein Schmankerl aus Freds und meiner TV-Vergangenheit: ein Beitrag der zeigt, wie Industrie-Abwärme zur Fernwärme wird.

🎙️ Flurfunk

Notizen aus der Redaktion

Vorschaubild zum Reel Hochseeschutz von Kurzschlussredaktion

Wer uns auf Social Media folgt, hat es vielleicht schon mitbekommen: unsere Praktikantin Tizi unterstützt uns tatkräftig, damit wir mehr Content produzieren können. In ihrem ersten Reel hat sie für unser neues Format “Still not totally f*cked” über gute Nachrichten aus dem Hochseeschutz berichtet:
Reel: Hochseeschutzabkommen

Das war unsere zweite Ausgabe von KurzschlussFieldnotes. Sagt uns doch gern, wie euch dieser Newsletter gefällt - dafür könnt ihr einfach direkt auf diese E-Mail antworten. Wir freuen uns immer über Feedback! Und noch ein kleiner Disclaimer zum Schluss: Männer sind beim generischen Femininum natürlich mitgemeint.

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Ich wünsche euch einen wunderschönen Frühlingsbeginn, bis dahin nur das Beste!

Francesca Grandolfo